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Radeon 9700 Pro: ATIs DX9-Paukenschlag von 2002

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Sommer 2002. NVIDIA dominierte den Grafikkartenmarkt seit Jahren, die GeForce4 Ti 4200 war gerade dabei, zur Preis-Leistungs-Legende zu werden, und ATI galt als der ewige Zweite mit Treiberproblemen. Dann kam die Radeon 9700 Pro — und drehte das Kräfteverhältnis in einer Nacht. Ich erinnere mich noch an die ersten Testberichte: Die Karte war nicht ein bisschen schneller als alles andere. Sie spielte in einer eigenen Liga.

Was der R300 anders machte

Der R300-Chip der 9700 Pro war die erste DirectX-9-GPU überhaupt, Monate bevor Microsoft DX9 überhaupt final veröffentlichte. Dazu ein 256 Bit breites Speicherinterface — doppelt so breit wie bei der GeForce4 — und acht Pixel-Pipelines. Mit ihren 128 MB auf AGP war sie 2002 schlicht überdimensioniert für alles, was es zu spielen gab. Genau das machte sie so langlebig: Wer sie zum Start kaufte, kam damit bis weit ins Jahr 2005.

Diese Langlebigkeit ist der Kern, warum die Karte heute in jedem Gespräch über die frühe XP-Ära auftaucht. Eine GeForce4 Ti 4200 war 2002 das vernünftige Angebot. Die 9700 Pro war die Investition, die sich zwei Jahre später noch auszahlte.

NVIDIAs Antwort ging schief

Die Geschichte der 9700 Pro erzählt man am besten zusammen mit der ihres Gegenspielers. NVIDIA antwortete Anfang 2003 mit der GeForce FX 5800 Ultra — berüchtigt für ihren föhnartigen Kühler — und schob dann die restliche FX-Serie nach. Das Problem saß tiefer als die Lautstärke: Die FX-Architektur tat sich mit den Pixel-Shadern von DirectX 9 grundsätzlich schwer. In DX8-Spielen war eine FX 5900 XT stark und günstig, keine Frage. Aber sobald echte DX9-Shader liefen, brach sie ein, während der R300 einfach weiterzog.

Das Resultat sieht man in der Praxis bis heute: Wer ein frühes XP-System für DX9-Titel baut, nimmt R300-Abkömmlinge. Wer gezielt DX8-Spiele fahren will, kann mit einer FX glücklich werden. Aber „besser gealtert" ist im Rückblick eindeutig ATI.

Half-Life 2: der Moment der Wahrheit

Im Herbst 2003 zeigte Valve auf dem sogenannten Shader Day eigene Benchmarks zu Half-Life 2 — und die FX-Karten lagen dramatisch hinter den Radeons. Valve ging so weit, FX-Karten im fertigen Spiel standardmäßig in einen abgespeckten DX8-Renderpfad zu schicken, weil der echte DX9-Modus auf ihnen nicht flüssig lief. Für ATI war das der Marketing-Triumph schlechthin: Half-Life 2 erschien im November 2004, und gespielt wurde es am besten auf Radeon.

Die Karte, die dabei den Ruhm erntete, war allerdings meist schon die Radeon 9800 Pro von 2003 — der ausgereifte Nachfolger auf derselben Architekturbasis, heute als „die Half-Life-2-Karte" entsprechend gesucht. Technisch ist sie der 9700 Pro sehr nah; die 9700 Pro ist sozusagen das Original, die 9800 Pro die Hochglanz-Auflage. Wer übrigens nur die Konsolen-Seite dieser Ära kennt: Half-Life 2 kam Ende 2005 auch auf die Xbox, lief dort aber sichtbar reduzierter als auf einem Radeon-PC.

Der passende Unterbau

Eine 9700 Pro gehört auf eine Plattform ihrer Zeit. Klassische Kombination im Intel-Lager: ein Pentium 4 2.4C auf einem 865PE-Board — Dual-Channel-DDR, FSB 800, AGP 8x. Im AMD-Lager tut es ein Athlon XP auf nForce2, dessen AGP-Implementierung als besonders stabil gilt. Beides kannst du dir im Retro-PC-Konfigurator zusammenstellen; der zeigt dir auch, welche Chipsätze überhaupt AGP führen.

Kleine Randnotiz für Trivia-Sammler: ATI steckte in dieser Ära nicht nur in PCs. Der Grafikchip des GameCube trug ein „Graphics by ATI"-Logo — die Firma war Anfang der 2000er auf einem beachtlichen Lauf.

Kaufen: 9700 Pro oder 9800 Pro?

Beide Karten teilen ein paar Alterserscheinungen. Die Referenzkühler sind klein, die Lüfter nach zwei Jahrzehnten oft hinüber, und die Karten der R300-Generation gelten als empfindlich gegenüber schlechter Stromversorgung — ein sauberes Netzteil ist Pflicht, der Floppy-Stromstecker auf der Karte ein Kuriosum der Zeit. Artefakte im Bild sind wie üblich ein Ausschlusskriterium.

Preislich gilt: Die 9800 Pro trägt den Half-Life-2-Nimbus und kostet entsprechend. TODO: aktueller eBay-Median für Radeon 9700 Pro und 9800 Pro. Mein Rat: Wenn die 9700 Pro spürbar günstiger zu bekommen ist, nimm sie — den Unterschied merkst du in Spielen der Ära kaum, und du besitzt die Karte, die 2002 die Branche umgeworfen hat. Das zählt an einem Stammtisch mehr als ein paar Megahertz.

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