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Windows-XP-Retro-PC bauen: Der komplette Guide

Von der · Daten & Methodik

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Zwischen einem Pentium III 500 von 1999 und einem Core 2 Duo E8400 von 2008 liegen keine zehn Jahre, aber gefühlt drei Computer-Generationen: SDRAM wird zu DDR2, AGP zu PCI Express, ein Kern werden zwei. Wer „einen XP-Rechner" bauen will, muss deshalb zuerst eine unbequeme Frage beantworten: welchen? Genau dabei hilft dieser Guide — und wenn du lieber klickst statt liest, nimmt dir unser Retro-PC-Konfigurator die Kombinatorik aus Sockel, Chipsatz und Grafikkarte komplett ab. Er kennt dieselben CPUs, Chipsätze und GPUs, die ich hier durchgehe, und grenzt Kombinationen nach den erfassten Regeln ein. Die CPU-Supportliste des konkreten Boards samt Revision und BIOS-Version bleibt zusätzlich zu prüfen.

Dieser Guide ist eine redaktionelle Bauplanung, kein dokumentierter Test mehrerer Komplettsysteme. Vor dem Zusammenbau stehen deshalb die prüfbaren Risiken: passende Treiber und CPU-Unterstützung, Zustand des Boards sowie eine geeignete Stromversorgung.

Erst das Zielbild, dann die Hardware

Die wichtigste Komponente deines Builds ist eine Liste. Schreib die zehn Spiele auf, die auf diesem Rechner laufen sollen, und zwar bevor du auch nur ein Board anschaust. Diese Liste entscheidet alles Weitere.

Ein paar Beispiele, wie unterschiedlich das ausfallen kann:

  • Half-Life, StarCraft, Need for Speed III, Diablo II — das ist ein Windows-98-Zielbild. Dafür willst du Hardware von 1998 bis 2001, idealerweise mit einer 3dfx-Karte für Glide-Titel.
  • Morrowind, Battlefield 1942, Mafia, GTA Vice City — frühe XP-Ära. Ein Athlon XP auf nForce2 oder ein Pentium 4 Northwood mit einer GeForce4 Ti 4200 trifft den Zeitgeist exakt.
  • Half-Life 2, F.E.A.R., Oblivion, BioShock — späte XP-Ära. Für diese Gruppe ist eine späte XP-Plattform sinnvoll; PCIe erweitert die Kartenauswahl, ist aber keine generelle Voraussetzung jedes dieser Spiele. Eine GeForce 8800 GT ist ein mögliches Beispiel.

Wenn deine Liste quer über alle drei Gruppen geht, bau nicht einen Kompromiss-PC, sondern lies zuerst unseren Ären-Guide Win98 bis XP spät — dort steht ausführlich, warum ein einziger Rechner selten alle drei Welten sauber abdeckt. Und falls auf deiner Liste vor allem Konsolen-Klassiker stehen: Die deckst du heute deutlich günstiger per Emulation auf moderner Hardware ab, etwa PS2-Spiele mit PCSX2. Welche Hardware du dafür brauchst, verrät der Emulations-Rechner.

Die drei Ären im Schnelldurchlauf

Unsere Hardware-Datenbank sortiert Retro-PC-Komponenten in drei Ären, und diese Einteilung ziehe ich durch den ganzen Guide:

ÄraZeitraumTypische PlattformTypische GPU
Win981996–2001Pentium III auf Intel 440BX, Duron auf VIA KT133A3dfx Voodoo3 3000, GeForce2 MX 400
XP früh2001–2004Athlon XP auf nForce2, Pentium 4 auf Intel 865PEGeForce4 Ti 4200, Radeon 9700/9800 Pro
XP spät2004–2008Athlon 64 auf nForce4, Core 2 Duo auf P965/P35GeForce 6600 GT bis 8800 GT

Nebenbei: Die erste Xbox ist technisch ein naher Verwandter der frühen XP-Ära — Intel-Prozessor, NVIDIA-Grafik der GeForce-3-Generation. Wer diese Zeit mag, mag meist beides.

Der Rest dieses Guides konzentriert sich auf die beiden XP-Ären. Win98-Builds haben eigene Baustellen (DOS-Modus, ISA-Sound, Glide), die ein eigenes Kapitel verdienen.

Plattformwahl Schritt für Schritt

Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar: Sockel, dann Chipsatz, dann Board, dann RAM, dann Grafikkarte. Wer mit der Grafikkarte anfängt (der häufigste Fehler), kauft am Ende ein zweites Board, weil der vorhandene Grafikslot nicht zur Karte passt. Einzelne Übergangsboards bieten beide Anschlusstypen, teils mit besonderen Einschränkungen.

Schritt 1: Der Sockel legt die CPU-Familie fest

Für die frühe XP-Ära stehen praktisch zwei Sockel zur Wahl:

  • Sockel A (AMD): Vom Athlon XP 1700+ (Palomino, 1.467 MHz) bis zum Athlon XP 3200+ (Barton, 2.200 MHz, FSB 400). Mein Standard-Tipp ist der Athlon XP 2500+ — der Barton mit 1.833 MHz und FSB 333 war damals der Preis-Leistungs-Held Seine damalige Position belegt allerdings keinen heutigen Preisvorteil.
  • Sockel 478 (Intel): Pentium 4 von 1,8 bis 3,0 GHz. Der Sweet-Spot heißt Pentium 4 2.4C: Northwood-Kern, Hyper-Threading, FSB 800. Den heißen 3.0E auf Prescott-Basis würde ich nur nehmen, wenn der Kühler wirklich stimmt — der Northwood ist die angenehmere CPU.

Für die späte XP-Ära:

  • Sockel 939 (AMD): Athlon 64 3200+ als Einstieg, Athlon 64 X2 4400+ (Toledo, 2 × 2.200 MHz mit je 1 MB L2) als Dual-Core-Ausbau. Sockel 939 bringt Dual-Channel-RAM und ist dem günstigeren Sockel 754 (Single-Channel) vorzuziehen.
  • LGA 775 (Intel): Die größte Spannweite. Pentium 4 630 und Pentium D 805 als Budget-Optionen, Core 2 Duo E6600 (Conroe) als Vernunftkauf, Core 2 Duo E8400 (Wolfdale, 3 GHz, FSB 1333) als das Maximum, das ein XP-Build sinnvoll braucht.
  • AM2 (AMD): Athlon 64 X2 5000+ mit DDR2. Solide, aber LGA 775 hat das bessere Endausbau-Argument.

Schritt 2: Der Chipsatz entscheidet über RAM, FSB und Grafik-Bus

Hier scheitern die meisten Stammtisch-Kombos. Drei Regeln aus der Datenbank, die du kennen musst:

  1. FSB und CPU-Freigabe gemeinsam prüfen. Ein Athlon XP 3200+ mit FSB 400 benötigt eine passende Plattform. nForce2 Ultra 400 und VIA KT600 sind Beispiele, keine abschließende Liste. Maßgeblich bleiben Board-Revision, Spannungsversorgung und BIOS-Support; der Chipsatzname allein reicht nicht.
  2. Der Chipsatz diktiert den RAM-Typ. nForce2 will DDR, KT133A noch SDRAM, Intel 945P bereits DDR2. Beim Intel 915P gibt es je nach Board DDR oder DDR2 — vor dem Kauf prüfen, welche Slots verbaut sind.
  3. Den Grafikslot am konkreten Board prüfen. „Sockel 478 immer AGP, LGA 775 immer PCIe“ stimmt nicht. Beispielsweise dokumentiert ASRock beim P4Dual-915GL Sockel 478 und Schnittstellen für beide Kartentypen. Solche Übergangslösungen haben eigene Kartenfreigaben und Einschränkungen.

Meine Chipsatz-Favoriten, mit Begründung:

  • NVIDIA nForce2 Ultra 400 für Sockel A: Dual-Channel-DDR und AGP. SoundStorm hängt von der verbauten Southbridge und Board-Ausstattung ab, nicht allein von der Bezeichnung nForce2 Ultra 400. Das ist DER Sockel-A-Chipsatz, Punkt. Die VIA-Alternative KT600 bietet FSB 400 plus SATA und ist oft günstiger zu bekommen.
  • Intel 865PE für Sockel 478: Dual-Channel-DDR plus FSB 800 — die Standardempfehlung. Der 875P ist das Enthusiasten-Pendant mit PAT-Feature, aber der Aufpreis lohnt heute selten.
  • NVIDIA nForce4 Ultra für Sockel 939: der Wechsel zu PCI Express im AMD-Lager, SATA II inklusive.
  • Intel P965 für Core 2: die natürliche Heimat eines E6600. Wer den E8400 oder später Quads einplant, nimmt gleich den P35 — der ist der Endausbau für ein XP-System.

Schritt 3: Das konkrete Board

Chipsatz gewählt, jetzt das Board. Bewährte Kandidaten aus unserer Datenbank: ABIT NF7-S und ASUS A7N8X-E für nForce2, ASUS P4P800 und ABIT IS7 für den 865PE, ASUS A8N-E für nForce4, ASUS P5B für P965, ASUS P5K für P35. Prüfe bei jedem Modell die genaue Revision und Herstellerfreigabe; die Aufzählung belegt weder Stückzahlen noch aktuelle Verfügbarkeit.

Worauf du bei jedem gebrauchten Board achtest, steht im Kondensator-Abschnitt weiter unten. Kurzfassung: Fotos der Board-Oberseite verlangen, auf gewölbte oder ausgelaufene Elkos prüfen, im Zweifel Finger weg.

Schritt 4: RAM — mehr ist nicht besser

XP 32-Bit adressiert ohnehin nicht mehr als 4 GB, und Spiele der Ära wollen viel weniger. Für die frühe XP-Ära sind 1 GB DDR (2 × 512 MB für Dual-Channel auf nForce2 oder 865PE) der vernünftige Ausbau. Für viele späte XP-Spiele sind 2 GB DDR2 ein sinnvoller Ausgangspunkt. Ob mehr RAM hilft, hängt von Spiel und Hintergrundprogrammen ab; ein pauschales „bringt nichts“ wäre zu weitgehend. Von 4 GB installiertem RAM ist unter 32-Bit-XP wegen reservierter Adressbereiche häufig weniger nutzbar. Wichtig ist der passende Typ: SDRAM, DDR und DDR2 sind mechanisch und elektrisch inkompatibel.

Schritt 5: Die Grafikkarte zur Ära

Jetzt erst die GPU — und zwar passend zu Bus und Zielspielen:

  • Frühe XP-Ära (AGP): Die GeForce4 Ti 4200 (128 MB) ist die Preis-Leistungs-Legende für DX8-Spiele. Wer DX9-Titel wie Half-Life 2 anpeilt, greift zur Radeon 9700 Pro oder 9800 Pro — letztere ist die Half-Life-2-Karte schlechthin und heute entsprechend gesucht. Die GeForce FX 5900 XT ist der Geheimfavorit für DX8: unter DX9 schwach, für DX8-Spiele aber stark und meist günstiger als die ATI-Konkurrenz.
  • Späte XP-Ära (PCIe): GeForce 6600 GT als Mittelklasse-Standard von 2004/05, GeForce 7600 GT als leiser und sparsamer Vernunfts-Pick, GeForce 8800 GT (512 MB) als Overkill mit exzellenten XP-Treibern. Auch mit einer 8800 GT hängen Auflösung, Details und Bildrate vom einzelnen Spiel ab; daraus folgt keine Garantie für jedes XP-Spiel.
  • Späte Ära auf AGP-Boards: Die GeForce 6600 GT gab es auch als AGP-Version — DIE Empfehlung für AGP-Systeme der Spätzeit. Darüber rangieren Radeon X800 XT (stark, aber ohne Shader Model 3), Radeon X1950 Pro und als berühmte letzte große AGP-Karte die Radeon HD 3850 von 2008.

Drei Beispiel-Kombinationen zur Planung, ohne eigenen Benchmark-Nachweis:

BuildCPUChipsatz/BoardRAMGPU
XP früh, AMDAthlon XP 2500+nForce2 Ultra 400 (ABIT NF7-S)2 × 512 MB DDRGeForce4 Ti 4200 oder Radeon 9800 Pro
XP früh, IntelPentium 4 2.4CIntel 865PE (ASUS P4P800)2 × 512 MB DDRRadeon 9700 Pro
XP spät, IntelCore 2 Duo E6600Intel P965 (ASUS P5B)2 GB DDR2GeForce 7600 GT oder 8800 GT

Gaming-PC 2004: ein zeitlich passender Beispiel-Build

Für einen Gaming-PC mit Zieljahr 2004 passen zwei Richtungen: Ein Athlon XP 2500+ auf nForce2 mit Radeon 9800 Pro bildet die ausgereifte AGP-Plattform der frühen XP-Ära ab. Ein Pentium 4 2.4C auf Intel 865PE mit derselben Grafikkartenklasse ist die passende Intel-Alternative. Wer stattdessen schon den Übergang zu PCI Express nachbauen will, orientiert sich an Sockel 939 und GeForce 6600 GT — das ist technisch eher ein später 2004er beziehungsweise 2005er System als ein klassischer Frühjahrs-Build von 2004.

Wer andere Bausteine kombinieren will, kann den PC-Builder zum Eingrenzen nutzen. Prüfe zusätzlich CPU-Supportliste, Board-Revision, BIOS und Speicherfreigaben.

Ein Wort noch zur Bildausgabe, weil sie bei der GPU-Wahl mitspielt: Karten dieser Ären liefern ihr Signal primär über VGA und DVI. An einem CRT-Monitor ist VGA nativ und herrlich unkompliziert, an einem modernen Monitor brauchst du je nach Karte einen DVI-auf-HDMI-Adapter oder einen aktiven VGA-Wandler. Wer einen Röhrenmonitor hat, sollte ihn für diesen Build nutzen — 1.024 × 768 bei 85 Hz auf einer guten Röhre ist näher am damaligen Erlebnis als jede Skalierung auf einem 27-Zoll-Panel. Dazu passen PS/2-Tastatur und -Maus: Viele Boards der frühen XP-Ära booten mit USB-Eingabegeräten erst nach BIOS-Umstellung sauber, mit PS/2 stellt sich die Frage nicht.

Netzteil und Kondensatoren: die zwei stillen Killer

Jetzt der Teil, der über Leben und Tod deiner Hardware entscheidet. Zwei Themen, beide unsexy, beide nicht optional.

Das Netzteil. Ein 20 Jahre altes Netzteil gehört nicht an wertvolle Retro-Hardware. Die Elkos darin altern auch ungenutzt, und ein sterbendes Netzteil kann beim Ableben Überspannung auf Board, CPU und Grafikkarte geben. Gleichzeitig passt nicht jedes moderne Netzteil: Aktuelle ATX-Netzteile sind auf die 12-Volt-Schiene optimiert, während Systeme der frühen XP-Ära ihre Last noch deutlich stärker aus 3,3 und 5 Volt ziehen. Prüf also beim Neukauf die kombinierte 3,3/5-Volt-Leistung im Datenblatt, nicht nur die Gesamtwattzahl. Dazu kommen mechanische Details: ältere Boards mit 20-Pin-Stecker (24-Pin-Stecker passen meist trotzdem, oft mit abnehmbarem 4-Pin-Teil), der mit dem Pentium 4 eingeführte 4-Pin-ATX12V-Anschluss und bei späten Karten wie der GeForce 7800 GTX ein PCIe-Stromstecker — die Karte will ein kräftiges Netzteil, das steht so auch in unserer Datenbank.

Die Kondensatoren. Boards aus der Zeit von etwa 1999 bis 2007 fallen mitten in die sogenannte Kondensator-Pest: Eine fehlerhafte Elektrolyt-Rezeptur ließ massenhaft Elkos aufquellen und auslaufen, und genau die Sockel-A- und Sockel-478-Generation ist besonders betroffen. Vor jedem Kauf und nach jedem Auspacken: Alle Elkos rund um CPU-Sockel und AGP-Slot anschauen. Gewölbte Deckel, braune Kruste, schiefe Becher — alles Ausschlusskriterien, sofern du nicht selbst neu kondensieren willst (machbar, aber Lötkolben-Pflicht). Bei einem bereits „recappten“ Board zählen dokumentierte Arbeit, passende Bauteilspezifikationen und ein Funktionstest. Das Herkunftsland der Kondensatoren allein ist kein Qualitätsnachweis. Netzteile und CRT-Monitore nicht selbst öffnen: Auch vom Netz getrennt können gefährliche Spannungen vorhanden sein.

Windows XP installieren, Stand 2026

Die Installation selbst ist 2026 erstaunlich unverändert — die Fallstricke liegen drumherum.

Bei Windows XP 32-Bit den Service-Pack-Stand prüfen. SP3 bündelt frühere Aktualisierungen; ein angepasstes Installationsmedium kann spätere Installationsschritte reduzieren. Verwende dafür rechtmäßig nutzbare Originalmedien und zur Edition passende Update- und Treiberdateien. Windows XP Professional x64 ist gesondert zu behandeln und verwendet nicht das 32-Bit-SP3.

Der AHCI-Fallstrick. Das XP-Setup von der CD kennt keine AHCI-Controller. Steht der SATA-Controller im BIOS auf AHCI, quittiert das Setup den Start mit einem Bluescreen (STOP 0x0000007B). Drei Auswege:

  1. SATA-Modus im BIOS auf IDE/Compatibility stellen — der einfachste Weg und für die Spiele-Performance dieser Ära praktisch egal.
  2. Den AHCI-Treiber klassisch per F6 während des Setups laden — das verlangt ein vom Setup unterstütztes Diskettenlaufwerk; nicht jedes USB-Modell wird erkannt.
  3. Den AHCI-Treiber per nLite in die Installations-CD slipstreamen — die sauberste Lösung für späte Boards (P965, P35, nForce4), die vom IDE-Modus nichts mehr wissen wollen oder bei denen du AHCI explizit willst.

Auf frühen Boards (nForce2, 865PE) stellt sich die Frage meist gar nicht: Da hängt die Platte ohnehin an IDE oder an einem SATA-Controller im Kompatibilitätsmodus.

Aktivierung vor dem Kauf klären. Edition, Installationsmedium, Lizenz und gegebenenfalls OEM-Bindung müssen zusammenpassen. Ein angebotener Produktschlüssel allein belegt keine gültige Nutzungsberechtigung. Dieser Guide bestätigt keinen aktuell funktionierenden Online- oder Telefon-Aktivierungsweg. Kläre die Möglichkeiten für deine Lizenz vor dem Aufbau; bei einem seit Jahren nicht mehr unterstützten System solltest du keine dauerhafte Erreichbarkeit alter Dienste voraussetzen.

Partitionieren mit Augenmaß. XP und FAT32/NTFS kommen mit heutigen Riesenplatten formal klar, aber viele BIOS-Versionen der frühen Ära haben Grenzen bei der Plattengröße (Stichwort 137-GB-Grenze ohne 48-Bit-LBA). Eine kleinere Platte oder eine IDE-auf-CF/SD-Lösung erspart Ärger und ist leiser obendrein.

Und womit installieren? Ein IDE-DVD-Laufwerk gehört in jeden Build dieser Ära, allein wegen der Spiele-CDs mit ihren Kopierschutz-Eigenheiten. Für die XP-Installation selbst ist ein gebranntes Slipstream-Medium der zuverlässigste Weg; USB-Boot beherrschen erst die späteren Boards (P965, P35, nForce4) verlässlich. Halte außerdem einen USB-Stick mit FAT32 bereit — er wird dein Standard-Transportweg für Treiber, Patches und Savegames zwischen dem modernen Rechner und dem XP-System.

Treiber: die Reihenfolge entscheidet

XP frisch installiert, Auflösung 640 × 480, kein Sound — jetzt bloß nicht wild Setup-Dateien doppelklicken. Die Reihenfolge hat einen Grund: Alles baut auf dem Chipsatz-Treiber auf.

  1. Chipsatz-Treiber zuerst. Intel INF Update für Intel-Chipsätze, nForce Unified Driver für nForce2 bis nForce4, VIA 4-in-1 (später Hyperion) für VIA. Gerade bei VIA ist das Pflicht, nicht Kür — die Treiber-Zickereien der VIA-Chipsätze sind in unserer Datenbank nicht ohne Grund vermerkt. Danach neu starten.
  2. DirectX 9.0c. Die letzte DirectX-9-Version für XP, Grundlage für fast alles, was du spielen willst.
  3. Grafiktreiber. Für die GPU-Generation passend wählen: Für eine GeForce4 Ti willst du einen anderen Treiberstand als für eine 8800 GT. Faustregel: einen späten, aber zur Karte zeitgenössischen Treiber nehmen, nicht blind den allerletzten XP-Treiber, der für alte Karten manchmal Regressionen mitbringt.
  4. Sound und LAN. Beim nForce2 mit Soundstorm steckt der Sound im nForce-Paket; sonst Realtek, Creative und Co. nach Bedarf.
  5. Rest: USB-2.0-Stack ist ab SP1 an Bord, Spezialhardware (Gameport, TV-Karte) zum Schluss.

Zwischen den großen Schritten jeweils neu starten. Das klingt nach Folklore, erspart aber real Hänger im Geräte-Manager. Und: Treiber vorab auf einem modernen Rechner sammeln und per USB-Stick rüberbringen — nicht mit dem XP-System auf Treibersuche im Web gehen.

Warum dieser Rechner offline bleibt

Deutliche Worte, weil das Thema sie braucht: Ein Windows XP gehört 2026 nicht mehr ans Internet. Microsoft führt Windows XP in seiner offiziellen Lifecycle-Übersicht als seit 2014 nicht mehr unterstützt. Plane daher keinen regulären Internetbetrieb und behandle auch eingebrachte Dateien als mögliche Infektionsquelle. Ein XP-Rechner mit offener Internetverbindung ist keine Nostalgie, sondern ein Einfallstor — schlimmstenfalls für dein gesamtes Heimnetz.

Praktisch heißt das:

  • Kein Browser, kein Update-Versuch, kein Online-Gaming über das offene Internet. Was der Rechner an Dateien braucht, kommt per USB-Stick oder über eine Speicherkarte.
  • LAN ja, aber isoliert. LAN-Partys mit zeitgenössischen Spielen funktionieren wunderbar in einem abgetrennten Netz ohne Internet-Route — ein eigener, nicht mit dem übrigen Netz verbundener Switch oder ein korrekt abgeschottetes VLAN ist dafür eine mögliche Grundlage. Ein zusätzlicher Switch im normalen Heimnetz allein isoliert den Rechner nicht.
  • Wenn Dateitransfer übers Netz sein muss, dann gezielt, kurz und in einem Segment, das vom Rest deines Netzes getrennt ist.

Das ist kein Verzicht. Prüfe für deine Spiele gesondert, ob Installation, Aktivierung oder Multiplayer einen inzwischen nicht mehr verfügbaren Dienst verlangen. „Altes Spiel“ bedeutet nicht automatisch „vollständig offline nutzbar“.

Troubleshooting: wenn der Build zickt

  • Bluescreen 0x7B beim Setup-Start: Ein fehlender Massenspeichertreiber oder ein unpassender Controller-Modus ist eine mögliche Ursache. Prüfe Modus, Treiber und Datenträger; der Fehler beweist nicht allein, dass AHCI aktiviert ist.
  • System instabil unter Last, Abstürze in Spielen: Erst Kondensatoren sichtprüfen, dann Netzteil tauschen, dann RAM testen (Memtest86 von CD). In dieser Reihenfolge — bei Hardware dieses Alters ist Elektrik wahrscheinlicher als Software.
  • Athlon XP läuft langsamer als erwartet: FSB im BIOS prüfen. Ein 2500+ mit FSB 333, der auf FSB 266 läuft, meldet sich als deutlich kleineres Modell. Klassischer Fall nach einem BIOS-Reset.
  • AGP-Karte wird nicht erkannt oder Bild bleibt schwarz: Karte neu setzen, AGP-Aperture im BIOS prüfen, und bei sehr alten Boards die AGP-Spannungs-Kompatibilität klären — nicht jede späte AGP-Karte verträgt jedes frühe Board.
  • Kein Sound trotz Treiber: Bei nForce-Boards prüfen, ob der Soundstorm-/MCP-Audio-Part des nForce-Pakets installiert wurde; der reine Grafiktreiber-Durchlauf reicht nicht.
  • Platte wird nur mit 128/137 GB erkannt: BIOS-Limit ohne 48-Bit-LBA. BIOS-Update suchen oder schlicht eine kleinere Platte bzw. CF-Adapter-Lösung nehmen.

Was dieser Rechner kann — und was nicht

Ein guter XP-Build ist die beste Art, PC-Spiele von etwa 2001 bis 2008 originalgetreu zu erleben: echte Hardware, echte Treiber, CRT-tauglich, ohne Kompatibilitäts-Wrapper. Er ist aber kein Universalwerkzeug. Win98- und DOS-Titel laufen auf später XP-Hardware oft schlechter als gedacht, und alles nach 2008 gehört auf einen modernen Rechner — wenn dich der interessiert, ist unser Guide zum Emulations-PC der richtige Anschluss. Für die Ären-Frage davor gibt es den großen Ären-Überblick, und für jede Kombi-Frage zwischendurch den Retro-PC-Konfigurator. Viel Spaß beim Schrauben — und denk an die Kondensatoren.